Argumente gegen eine Fusion mit Aarau
Allgemeine Überlegungen
Wir sind selbstständig und haben eine gute Infrastruktur. Die Attraktivität von Unterentfelden ist gegeben mit den verschiedenen Dienstleistungen und Geschäften vor Ort, den Naherholungsgebieten vor der Haustüre. Die Bevölkerungszahl nimmt zu, auch mit dem aktuellen Steuersatz.
Wir arbeiten bereits jetzt mit verschiedenen Nachbargemeinden intensiv zusammen, im Bereich der Schule z.B. mit Oberentfelden. Diese Zusammenarbeit funktioniert gut.
Wir sind stolz auf ein Unterentfelden, welches seine Stärken und seine Gestaltungsmöglichkeiten nutzt und so die Zukunft unserer Gemeinde mit den eigenen Händen steuert. Unsere Anliegen können wir mit den Behörden direkt diskutieren und auch umsetzen. Wir haben eine zentrale, schlanke Verwaltung mitten im Dorf, man kennt die zuständigen Personen. Wollen wir das alles aufgeben? Wir haben und leben in Unterentfelden die direkte Demokratie und können an der Einwohnergemeindeversammlung mitreden und mitbestimmen. Werfen wir dieses Privileg einfach weg? Wollen wir die direkte Mitsprache wirklich ersetzen durch ein paar Sitze im Aarauer Einwohnerrat, wo uns die Stadt Aarau problemlos immer überstimmen kann?
Verlust der lokalen Identität
Unterentfelden wird seine eigenständige Gemeindeidentität
und seinen dörflichen Charakter verlieren, wenn es Teil der viel
grösseren Stadt Aarau wird. Wir müssten unsere politische und verwaltungstechnische Eigenständigkeit aufgeben; der direkte Einfluss der Einwohnerinnen und Einwohner von Unterentfelden auf lokale Entscheide fällt weg.
Unterschiedliche finanzielle Situationen
Steuerfuss 96% als Lockvogel
Unterentfelden hat Schulden und mit 113% einen höheren Steuerfuss als
das vermögende Aarau mit 96%. Allerdings «verdampft»
das Vermögen von Aarau im Laufe der nächsten Jahre rasant (ca. 100 Millionen
innert 5 Jahren (→ siehe
Budget 2025), und ein eingemeindetes Unterentfelden könnte sich schon
ab 2030 in einer deutlich schlimmeren Situation befinden als ein selbständiges
Unterentfelden: Die Finanzpolitik wird zukünftig nämlich auf der
anderen Seite des Distelbergs und hauptsächlich von den Aarauern bestimmt werden.
Wer langfristig gesunde Finanzen will, sollte nicht auf Aarau hoffen.
Gemeindesteuerfuss: Oft wird überschätzt, welchen Einfluss
der Steuerfuss einer Gemeinde auf die gesamte steuerliche Belastung hat.
Hier ein paar Beispiele für die jährliche Ersparnis in typischen Situationen (berechnet mit dem Steuerrechner):
Gebühren nicht vergessen
Die heute moderaten Gebühren in Unterentfelden
werden mit Garantie an das viel höhere Kostenniveau von Aarau angepasst werden;
das gilt nicht nur für den 140l-Grüngutcontainer (in Unterentfelden CHF 125,
in Aarau CHF 171, also mehr als 35% teurer!), sondern für alle Gebühren.
Wie alle wichtigen Entscheide werden auch die Gebühren auf der anderen Seite
des Distelbergs und hauptsächlich von den Aarauern festgelegt werden.
Ungleiche Machtverhältnisse / Demokratiedefizit
Mit nur etwa 4'500 Einwohnern resp. 2'500 Stimmberechtigten gegenüber
Aaraus mehr als 22'000 Einwohnern dürfte die Bevölkerung Unterentfeldens in
einer fusionierten Gemeinde politisch unterrepräsentiert sein und deutlich
an Einfluss verlieren. Entscheide des Aarauer Einwohnerrats werden de facto
unanfechtbar, weil das für ein Referendum notwendige Quorum von 5% der
Stimmberechtigten im zukünftigen Gross-Aarau für das eingemeindete
Unterentfelden nahezu unerreichbar sein wird.
Der (verpolitisierte) Aarauer Einwohnerrat wird in Zukunft über
unsere Anliegen entscheiden. Das ehemalige Unterentfelden wird
als «Aussenquartier» nur noch zuschauen können, wenn die
Stadt Entscheide fällt. Eine auf Zeit garantierte Vertretung
im Aarauer Stadtrat und Einwohnerrat wird daran nichts ändern.
Beispiel Fusion Aarau Rohr: Die
ursprünglich mit eigenen Wahlkreis garantierte Vertretung von Rohr
mit 9 Sitzen im 50-köpfigen Einwohnerrat ist bis im 2025 auf nur
noch 3 Sitze zusammengeschrumpft, und
seit
1.1.2026 hat dieser Stadtteil Aarau Rohr sogar nur noch 1 Einwohnerrat für 4'288 Einwohner (eine
Zahl die sehr vergleichbar ist mit den rund 4'500 Einwohnern in
Unterentfelden. Keine rosigen Aussichten für Unterentfelden...
Verlust der Bürgernähe / anonyme Verwaltung
In einer viel grösseren Verwaltungsstruktur als heute werden
persönliche Kontakte und kurze Wege für die Bürger von Unterentfelden
verloren gehen. Der Gang nach Aarau wird deutlich mühsamer sein, nicht
nur weil das Rathaus weit weg vom Bahnhof Aarau ist — auch das Auto
bringt keine Linderung, weil man wegen Fahrverboten gar nicht bis
zum Rathaus fahren darf. Was man heute innert 15 Minuten erledigen
kann, wird in Zukunft in einem 2-stündigen Ausflug enden.
Unterschiedliche Bedürfnisse
Die Bedürfnisse einer Vorortsgemeinde wie Unterentfelden
unterscheiden sich zum Teil stark von denen der Kantonshauptstadt
Aarau, was zu Interessenkonflikten führen wird.
Viel höhere Verwaltungskosten
Fusionen führen oft kurzfristig und mittelfristig zu
höheren Verwaltungskosten durch Umstrukturierungen
und Harmonisierungen, langfristige Einsparungen
materialisieren sich in der Realität fast nie. Die erhofften
Einsparungen für Unterentfelden sind reines Wunschdenken.
Bei einer Fusion mit Aarau übernehmen wir auch alle Aarauer Reglemente,
welche unter anderem das Bauen, Renovieren und somit auch das Wohnen
verteuern werden. Auch kann es dazu führen, dass zukünftig die Parkplätze
bei der Badi, beim Gemeindehaus, beim Friedhof, wie auch dem
Chreesegge und dem Waldhaus kostenpflichtig werden (die Stadt Aarau ist
ein ausgesprochen «autofeindliches» Pflaster!).
So werden die paar eingesparten Steuerfranken gleich wieder durch
höhere Kosten und Gebühren für den Einzelnen aufgefressen.
Verwaltung und Bürokratie
Die Eingliederung in eine grössere Verwaltung führt
zu einer erhöhten Bürokratie. Entscheidungen werden langsamer
getroffen werden, da sie durch eine komplexere Verwaltungsebene gehen müssen.
Gleichzeitig müssen sich zum Beispiel die Vereine darauf einstellen,
dass sie bei grösseren Anlässen wie einem Sportanlass oder einem Musikfest
zusätzliche teure Auflagen, wie z.B. das «Mobilitätskonzept der Stadt
Aarau» erfüllen müssen, und das Mehrwegbecherkonzept lässt
ebenfalls grüssen. Unterentfelden hat in vielen Bereichen andere
Bedürfnisse als Aarau, und diverse Themen behandeln wir pragmatischer und
ideologiefreier (mit gutem Grund).
Verteilung der Steuereinnahmen
Aarau ist zwar (heute noch) eine vermögende Stadt mit
niedrigem Steuersatz. Relevant für uns Einwohnerinnen und
Einwohner ist jedoch nicht nur der heutige Steuersatz, der bestimmt,
wieviel wir bezahlen, entscheidend ist schlussendlich eben auch, in
welchem Ausmass Mittel in Unterentfelden eingesetzt
werden. Was machen wir, wenn dereinst unsere Steuergelder in grössere
städtische Projekte fliessen (z.B. die Mammut-Schule in der Telli), während
die Anliegen von Unterentfelden vernachlässigt werden?
Was machen wir, wenn das neue Regiobad mit unserem Geld in Aarau gebaut
wird, während die Badi Entfelden verschwindet? Kommt dazu, dass
der Steuerfuss in Aarau in absehbarer Zukunft deutlich angehoben
werden muss (rasant steigende Verwaltungskosten, grosse Infrastrukur-Projekte).
Verlust bestehender Kooperationen
Unterentfelden hat enge Verbindungen
zu Oberentfelden. In vielen Bereichen funktioniert die
Zusammenarbeit ausgezeichnet und die Synergien
sind substanziell. Eine Fusion mit Aarau könnte diese gewachsenen
und gut funktionierenden Strukturen mit der
Nachbargemeinde Oberentfelden ernsthaft
gefährden. Wer denkt, dass gewisse Verhandlungen mit
Oberentfelden «schwierig» sind, der darf sich
auf die Bittgänge beim deutlich grösseren Aarau freuen.
Kreisschule Entfelden gefährdet / «Mammut-Schule» Aarau
Die Kreisschule Entfelden funktioniert gut, während
die Kreisschule Aarau-Buchs (KSAB) immer wieder negative Schlagzeilen
schreibt. Auch die Kosten der KSAB wachsen seit deren Gründung
rasant, weil die Verwaltung unkontrolliert wächst.
Das stösst mittlerweile sogar vielen Aarauern sauer auf (→
Referendum Bildung statt Verwaltung).
Weiter plant Aarau neue Oberstufenstandorte, und die
Mammut-Schule
in der Telli für mehr als 1'500 Schülerinnen und Schüler ist
noch nicht gestorben. Wollen wir unsere Kinder tätsächlich
über den Distelberg durch die
Stadt hinunter in die Telli schicken
statt über sichere Quartierstrassen ins nahe Oberentfelden?
Das von vielen Familien geschätzte Mittagessen zu Hause wird
ebenfalls nicht mehr stattfinden können, und die Kosten
für die auswärtige Verpflegung der Jungmannschaft
werden das sonst schon strapazierte Familienbudget
zusätzlich belasten.
Eigene Identität statt «zämewachse»
Menschen und Politik ticken in Unterentfelden und
Aarau nicht gleich. In Unterentfelden sprechen die Parteien
miteinander, und es ist Credo im Gemeinderat, dass Sachpolitik
betrieben wird und die Partei (meist) vor der Tür bleibt. Das
ist in Aarau komplett anders; Ideologie und Parteipolitik
stehen fast immer über der Sache, was sich sowohl im links
dominierten Stadtrat als auch im ebenfalls links kontrollierten
Einwohnerrat mit schöner Regelmässigkeit zeigt —
der politische Graben zwischen Stadt und Land wird nach einer Fusion
auch die Identität der Bevölkerung im heutigen
Unterentfelden stark strapazieren. Ebenfalls
unbegründet ist die Hoffnung, dass Unterentfelden
nach einer Eingemeindung plötzlich räumlich mit
Aarau zusammenwachsen würde. Eine solche Entwicklung
ist unwahrscheinlich, da der Distelberg eine
natürliche Grenze zu Aarau darstellt.
Zum Nachlesen: Die ursprünglich selbständige
Gemeinde Rohr wurde am 1. Januar 2010 mit Aarau fusioniert.
15 Jahre gemeinsames Schicksal haben aber nichts daran
geändert, dass a) Rohrer und Aarauer immer noch unterschiedlich ticken
und b) der Stadtteil Rohr im Aarauer
Einwohnerrat nicht viel zu melden hat.
Absorbtionsfusion (Eingemeindung)
Bei einer Kombinationsfusion schliessen sich
zwei beteiligte, typischerweise ähnlich grosse Gemeinden
zu einer gänzlich neuen Gemeinde mit neuem Recht zusammen.
Die Vordenker im Stadtrat Aarau planen allerdings eine
Absorbtionsfusion — eine sog. «Eingemeindung»
— bei der die kleine Gemeinde Unterentfelden von der 5x
so grossen Stadt Aarau aufgenommen wird. Man lasse sich nicht
blenden von schönen Formulierungen wie «zäme wachse».
Tatsache ist, dass Unterentfelden nach einer Fusion
ein peripherer Stadtteil von Aarau sein wird, auf der anderen
Seite des Distelbergs, über den im Rathaus in Aarau resp. im
Einwohnerrat Aarau bestimmt wird.
Emotionale Bindung
Viele ältere Einwohnerinnen und Einwohner von Unterentfelden
lehnen eine Fusion aus emotionalen Gründen ab. Man hört aus der kleineren
Gemeinde selten Gutes, wenn eine grössere Gemeinde mit einem Vorort
fusioniert. Fusionsenthusiasten müssen bei Gelegenheit das
Gespräch mit «ehemaligen» Rohrerinnen und Rohrern suchen und
sich über die Konsequenzen der Fusion mit Aarau informieren.
Was sagen Studien und Spezialisten?